In der Nacht zum Donnerstag, dem 10. September 2026, verstarb unser Gründungsmitglied und erstes Ehrenmitglied Manfred Bloch in seinem Pflegebett – inmitten seiner vielen Erinnerungen und umgeben von den Bildern seiner geliebten Pferde.
In tiefer Trauer nehmen wir Bernsteinreiter Abschied von einer prägenden Persönlichkeit unseres Vereins.
Als wir am 31. Mai 2008 unseren Verein gründeten, stand uns Manfred Bloch als wichtiger Mentor und unermüdlicher Unterstützer zur Seite. Er begleitete den Weg der Bernsteinreiter von den ersten Anfängen bis hin zum heute größten Reitverein Mecklenburg-Vorpommerns.
In Anerkennung seiner außergewöhnlichen Verdienste wurde Manfred am 26. März 2011 zum ersten Ehrenmitglied der Vereinsgeschichte ernannt.
Ob Vereinsveranstaltung, Arbeitseinsatz oder Feier – auf Manfred war immer Verlass. Er war stets der Erste, der kam, und der Letzte, der ging. Beim Zaunbau, beim Ausmisten, bei der Beschaffung von Futtermitteln oder bei Renovierungsarbeiten: Manfred war dabei und packte mit an. Selbst wenn es einmal brenzlig wurde, ließ er sich nicht aus der Ruhe bringen. Manfred war einer, der sprichwörtlich die Kohlen aus dem Feuer holte.
Sein letztes großes Bauvorhaben für die Bernsteinreiter war die Anleitung des Umbaus der Mitarbeiterwohnung in der Mecklenburger Straße 65. Auch dieses Projekt begleitete Manfred mit seiner großen Erfahrung, seiner Tatkraft und seinem sicheren Blick für die notwendigen Arbeiten.
Auch die Dokumentation war eine seiner großen Leidenschaften. Alles wurde von Manfred gewissenhaft aufgeschrieben und sorgfältig aufgelistet. Akribisch hielt er sämtliche Termine fest und wirkte so an der Vorbereitung jedes neuen Vereinsjahres mit. Er wollte stets genau wissen, was bei den Bernsteinreitern anstand. Neben seinen wöchentlichen Besuchen gehörten die gemeinsamen Telefonate am Sonntag fest zum Leben von Manfred und seinem Enkel Tino. Dabei tauschten sie sich über die aktuelle Lage, die Entwicklung des Vereins und alles aus, was sie bewegte.
Bis ins hohe Alter blieb Manfred ein fester Bestandteil unseres Vereinslebens. Er fehlte bei keiner Großveranstaltung, keinem wichtigen Arbeitseinsatz und keiner Vereinsparty. Manfred war ausgesprochen gesellig und feierfreudig. Mit seinem besonderen Redetalent griff er bei Veranstaltungen auch gern selbst zum Mikrofon.
Darüber hinaus war er ein begnadeter Sänger. Seine zahlreichen Lieblingslieder sang er mit großer Freude bis ins hohe Alter und schließlich sogar noch im Pflegeheim. Seine Stimme, seine Lieder und die damit verbundenen geselligen Stunden werden uns in besonderer Erinnerung bleiben.
Eine weitere große Leidenschaft war für ihn das Traktorfahren. Mit großer Freude schleppte und pflegte er unsere Koppeln – oder, wie Manfred es immer nannte, er „striegelte die Koppeln“. Auch diese unverwechselbare Formulierung wird uns für immer im Gedächtnis bleiben.
Und wann immer für die Kinder der Reiterferien oder bei einer Vereinsveranstaltung gegrillt werden musste, griff Manfred zur Grillzange. Über viele Sommer prägte er insbesondere das gemeinsame Grillen am Donnerstag und sorgte dafür, dass unsere Ferienkinder nach einem erlebnisreichen Tag gemeinsam essen und einen schönen Abend verbringen konnten. Diese von ihm geprägte Tradition lebt bis heute weiter und wird inzwischen vom engagierten Grillteam rund um Matthias Schleicher fortgeführt. Auch auf diese Weise bleibt Manfred im Alltag der Bernsteinreiter gegenwärtig.
Eine ganz besondere Freude waren für ihn die Geburten unserer Fohlen. Manfred wollte kein junges Fohlen verpassen und war stets voller Begeisterung dabei, wenn neues Leben auf unseren Weiden und in unseren Ställen Einzug hielt. Seine unverwechselbare Feststellung „Das Fohlen tutscht am Euter“ hat bei den Bernsteinreitern längst ihre eigene kleine Geschichte geschrieben und wird uns ebenso wie das „Striegeln der Koppeln“ immer an ihn erinnern.
Besonders am Herzen lag ihm die Pferdefamilie der Prima Vista. Prima Donna begleitete er bereits von ihren ersten Tagen als kleines Fohlen an. Später wurde sie seine Pflegestute, die er mit großer Zuneigung umsorgte und stets aufmerksam im Blick behielt. Diese tiefe Verbundenheit war bezeichnend für seinen Umgang mit den Pferden: fürsorglich, verlässlich und immer am Wohl des Tieres orientiert.
Die Liebe zu den Pferden begleitete Manfred Bloch sein ganzes Leben. Er wurde am Donnerstag, dem 13. März 1941, geboren. Als Kind floh er mit Pferd und Wagen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten, die infolge des Zweiten Weltkriegs von der Sowjetunion besetzt wurden, nach Satow. Die Reiterei und die Pferde blieben seitdem ein fester Bestandteil seines Lebens. Manfred war ein passionierter Reiter und großer Pferdefreund, stets mit einem besonderen Blick für das Wohl der Tiere.
Am 9. Juni 1957 erhielt er beim Bauernpferderennen auf der Galopprennbahn Bad Doberan einen Ehrenpreis. Dass ausgerechnet dieser geschichtsträchtige Ort viele Jahrzehnte später zur Erlebnisreitstation der Bernsteinreiter werden sollte, lässt seine Lebensgeschichte und die Geschichte unseres Vereins auf besondere Weise wieder zusammenfinden.
Für unseren Gründer und Vorsitzenden Tino Leipold war Manfred Bloch jedoch weit mehr als ein Mentor der ersten Vereinsjahre. Er war sein Großvater, sein Vorbild und derjenige, der seine Begeisterung für Pferde entfachte. Als Tino fünf Jahre alt war, setzte ihn sein Opa zum ersten Mal auf ein Pferd. Fortan begeisterte er ihn und seine weiteren Enkelkinder für den Reitsport.
„Am Wochenende war Reiten mit Opa“ – diese Erinnerung prägte Tinos gesamte Kindheit. Manfred besuchte die Bernsteinreiter Woche für Woche, begleitete das Vereinsleben mit großem Interesse und unterstützte seinen Enkel sowie den gesamten Verein, wo immer seine Hilfe gebraucht wurde.
Gemeinsam mit seinen Enkelkindern verbrachte er Reit- und Pferdeurlaube in den Niederlanden sowie auf dem Reiter- und Ferienhof seines Cousins, dem Gut Dankerode in Hessen. Mehrfach im Jahr kehrte er dorthin zurück, um seine Leidenschaft für die Pferde gemeinsam mit seiner Familie zu pflegen.
Voller Stolz begleitete Manfred die Entwicklung seines Enkelsohnes Tino und der Bernsteinreiter. Wem auch immer er begegnete, dem berichtete er voller Begeisterung von seinem Enkel und von allem, was bei den Bernsteinreitern entstanden war.
Sein letzter Besuch bei den Bernsteinreitern fand am 23. Juli 2024 statt. Sein letzter großer Wunsch war es, noch einmal seine Prima Donna zu treffen und die Pferde zu sehen. Dank des Wünschewagens konnte ihm dieser Wunsch erfüllt werden. Noch einmal kehrte er zu den Pferden zurück und unternahm eine Kutschfahrt – ein bewegender und unvergesslicher Moment, der seine lebenslange Verbundenheit mit den Pferden noch einmal auf besondere Weise sichtbar machte.
Das Pferd begleitete Manfred von der Flucht als Kind auf dem Wagen im Heu über seine Zeit als aktiver Reiter bis ins hohe Alter. Selbst im Pflegeheim zeugten die vielen Pferdebilder und Ehrenurkunden in seinem Zimmer von dieser lebenslangen Verbundenheit.
Wir Bernsteinreiter verlieren mit Manfred Bloch einen treuen Wegbegleiter, einen unermüdlichen Helfer, einen Ratgeber und einen Menschen, der unseren Verein von seinen ersten Tagen an entscheidend mitgeprägt hat. Seine Tatkraft, seine Ruhe, seine Lebensfreude, seine Lieder und seine tiefe Liebe zu den Pferden werden uns unvergessen bleiben.
Wir haben dir viel zu verdanken.
In stiller Trauer
die Bernsteinreiter